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Buch: Black Monk Time
Saints And Sinners - THE MONKS meet THE MONSTERS
Für mich waren The Monks natürlich das Live-Event des Jahres, ging
doch mit dem Gig ein Bubentraum in Erfüllung. Noch drei der
ursprünglich 5 Original-Bandmitglieder waren's. Der
Keyboarder mochte nicht mehr, er wurde ersetzt, und der
Drummer war bereits verstorben, und wurde daher auch durch
einen Jungspund ersetzt. Aber Leader Gary war noch frisch wie
eh und je, und auch Banyospieler Dave spielte sich die Finger
wund.
Den Abend läutete Kaplan Grau ein, er bereitete das Publikum
mit herzhaften Hallelujah's auf das kommende Inferno vor.
Begleitet wurde seine Ansprache durch sakrale Lieder auf
einer kleinen Kirchenorgel, die extra dafür in den
hoffnungslos überfüllten Club Mascotte geschleppt wurde.
Anstelle von biblischen Klängen spielte der Herr in der
Pfarrers-Robe allerdings Kamellen aus den 60er Jahren, von
"Whiter Shade of Pale" über "You Really Got Me" (echt!), bis
zu "My Generation". Das muss man sich mal vorstellen. Da
hingen die Knabberleisten schon ungläubig herunter.....
Dann der Auftritt von den Schweizer MONSTERS, vom verrückten
Reverend Beat-Man angeführt. Die spielten so laut, dass alles
pumpte und vibrierte: Die Wand, an der man lehnte, das Hemd,
das man trug und die Schuhe, in denen man stand. Zwei
Schlagzeuger, die einander gegenüber sassen, hauten wie
manisch drauf, einander immer wieder anpeitschend. Horror-
Rock'n'Roll vom Feinsten.
Es folgte eine unwirklich anmutende Umbauphase, während der
sich erneut Kaplan Grau ans Mikrophon stellte, und das
Publikum zu Hallelujah-Rufen anfixte, währenddem nunmehr
Reverend Beat-Man mit drei Ordensschwestern (in
gottesfürchtigen Nonnen-Gewändern) einen Kelch mit Wein
herumreichte und eine Hostie (mit aufgedrucktem Bandlogo der
Monsters!!) den Gläubigen in den Mund steckte. Wichtig: Der
Reverend verteilte die Hostie mit dem Spruch "Gesegnet sei
der Rock’n’Roll", was die Gläubigen mit "Amen", oder
"Hallelujah!" quittieren mussten.
Danach kamen die Monks, die zwar nicht mehr so laut spielten
wie die Monsters, aber dafür viel mehr Dynamik an den Tag
legten. Die Präsenz der Band war schlicht enorm, und mir
schossen immer wieder diese surrealen Bilder ihres legendären
Auftritts im Beat Club von anno dunnemals durch den Kopf.
Sänger Gary aktualisierte den Text von "It’s Monk Time" ganz
zu Anfang des Sets natürlich auf die momentan die Welt
bewegenden Themen wie Bush, Irak und Afghanistan, was das
Publikum mit Begeisterungsstürmen quittierte. Gemessen am
Umstand, dass die Band nach 1966 keine weiteren neuen Songs
komponiert hat, spielten sie ein auffallend langes Set, und
den einen oder anderen Titel spielten sie in bis zu 10
Minuten gestreckten Versionen, inklusive Banyo- Drum- und
ausufernden Gitarrenexzessen, wobei sie auch auf die schon im
Beat Club praktizierte Dreimann-Gitarrenbearbeitung am Boden
nicht verzichten mochten. Man muss sich das vorstellen: Was
Pete Townshend später mit seinen Gitarren machte, hatten die
Monks schon drei Jahre früher praktiziert. Als Dave und Gary
dann auch noch ihre Instrumente gegenseitig malträtierten
(Banyo schrammt an Gitarre) war die Stimmung auf dem
absoluten Höhepunkt angelangt. Mit viel Feedback-Gedröhn und
pfeifendem Lärm, dazu dem manischen, monotonen Draufhauen des
Drummers, inklusive dem mit dem Kopf auf die Tasten der
Farfisa-Orgel hämmernden Keyboarders (!!) war ich mir
bewusst: Diese Band ist zurecht bis heute legendär. Man kann
die Musik und die Performance der Monks auch heute noch als
durch und durch avantgardistisch bezeichnen, denn nicht ein
einziger Song ihres Repertoires kann, auch an heutigen
Kriterien gemessen, als normal strukturiert angesehen werden:
Chöre, wo keine sein sollten, Breaks, die keine sind, Stops,
wenn andere durchspielen - herrliche Soundcollagen, die auch
heute noch fremdartig wirken.
Kurz vor Ende des Sets kamen dann die drei Nonnen wieder auf
die Bühne und tanzten ekstatisch zur Monks-Mucke. Dabei hielt
jede der Ordensschwestern eine grosse Schere in der Hand. Da
fingen die Schwestern an, einander gegenseitig die Nonnen-
Roben auseinander zu schnibbeln. Natürlich grossartig
anzusehen, eine tolle Show-Einlage.
Erstaunlich auch die Durchmischung des Publikums. Vom
schlohweissen Sixties-Opa bis zum blutjungen Neo-Punk war
alles zu sehen, auch auffallend viele Damen, was ich
angesichts des gebotenen Sounds kaum für möglich gehalten
hätte. Natürlich waren die meisten schwarz gekleidet, und
ausserdem trugen viele ein Monks T-Shirt (wie ich auch).
Nach drei Zugaben, nicht enden wollenden Standing Ovations
und einer längeren Abschlussrede des Banyospielers Dave
dislozierte sich fast der gesamte Pulk in die Innenstadt, wo
um Mitternacht dann noch der grossartige Dokumentarfilm über
die Monks gezeigt wurde, bei welchem die Band anwesend war
und nach der Vorführung willig CD’s und LP’s signierte. Dabei
habe ich dann noch länger mit Gary diskutiert an der
angrenzenden Bar, und er hatte grosse Freude, als mein Freund
aus seiner Plastiktüte dann noch das horrend teuer gehandelte
Original Vinyl der Monks LP von 1966 auf Polydor hervorzog,
um es (nur von den drei übriggebliebenen Original-
Mitgliedern!) signieren zu lassen. Dabei sagte Gary auch, er
könne es sich selbst auch heute noch nicht erklären, warum
seine Monks so lange so hartnäckig in den Köpfen der Leute
Bestand haben konnten. Ich erklärte ihm dann, dass er mit
seinen Monks eben etwas geschaffen hat, das man nicht
kopieren könne, und dass man seine Art von Musik auch in
vielen Jahren noch als "outstanding" bezeichnen werde.
Fazit: Selbst wenn man kein grosser Fan der Monks ist,
strahlt ein Auftritt dieser Band so viel Magie, manischen
Exzess und Faszination aus, dass man weiss, hier war man
Zeuge von etwas ganz Besonderem.
Quelle: beatnik, 30.10.2006
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